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Meditation im Buddhismus

Normalerweise verstehen wir unter Meditation „Nichts-Denken“. Aber Meditation heisst auf Sanskrit „Dhyana“ und bedeutet dort nachdenken, in sich versinken. Meditatio (lat.) heisst auch nachdenken, nachsinnen, überlegen. Die Frage ist hier, welche Art des  Denkens. Wie denken in diesem Nicht-Denken?

Als Erstes dürfen wir nicht vergessen, dass Meditation eine spirituelle Praxis ist, die schon seit langem in vielen Kulturen und Religionen existiert. Meditation als Praxis und Methode gehört nicht einer einzelnen Religion oder Glaubensrichtung an. Allerdings werden ihre Bedeutung und Ausführung je nach Glauben und Kultur angepasst.

Die Meditation im Buddhismus ist gekennzeichnet durch die buddhistische Philosophie, in der die Achtsamkeit eine zentrale Bedeutung und Wichtigkeit hat. Sie ist das siebte Glied des "Achtfachen Edlen Pfades", der erste der "Sieben Faktoren des Erwachens", die dritte der "Fünf Fähigkeiten", die dritte der "Fünf Kräfte" und in den "Vier Stufen der Achtsamkeit" ist sie das Hauptthema. Wie wir sehen, steht Achtsamkeit also im Herzen des Buddhismus.

 

Zu seinen Lebzeiten hatte Shakyamuni  Buddha (Siddhartha Gautama) seinen Schülern schon Meditation gelehrt. Sie praktizierten damals neben dem stillen Sitzen auch das Gehen in der Stille, das Essen im Schweigen, sowie die Achtsamkeit im Atmen. In der Sitzmeditation dem Atem gewahr zu sein, war die erste Praxis, die alle seiner Schüler zu Beginn lernten.  Alle diese Praktiken sind Achtsamkeitspraktiken im Alltag. Sie wurden seit damals gelehrt und praktiziert und werden bis heute weitergegeben.

Nach der Erklärung des Meisters Thích-Nht-Hnh stecken im Wort „Meditation“  vier Bedeutungen. Zuerst bedeutet Meditation anschauen, kontemplieren über ein Objekt.  Die zweite Bedeutung ist ähnlich wie die erste und heisst beobachten aus der Nähe, um die wahre Eigenschaft eines Objektes zu entdecken. Die dritte Bedeutung ist aussortieren und loslassen von allem, was unser Leiden verursacht. Die vierte Bedeutung ist „brennen“.  Gemeint ist, dass durch die Sammlung, die aus der Meditation entsteht,  der Geist die Fähigkeit und die Kraft gewinnt, die negativen Gedanken und Gefühle zu eliminieren, zu „verbrennen“ (Sanskrit „jhàyati“).

Durch die Achtsamkeitsmeditation kommen wir zur Sammlung. Wer die Sammlung erlangt, kommt von selbst zur Weisheit und zur Bewusstheit. Im Buddhismus treffen wir die drei Begriffe  Achtsamkeit, Sammlung und Weisheit oft zusammen an. Wenn das erste Glied stark ist, wird das zweite auch stark. Wenn das zweite stark wird, unterstützt es das dritte. Und das dritte Glied verstärkt wiederum das erste. Je mehr Achtsamkeit wir praktizieren, desto mehr wachsen die Fähigkeiten in uns, die Natur unseres eigenen Geistes und die Natur anderer Dinge wahrzunehmen und Verständnis dafür zu erlangen.  

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