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APRIL: Der Kosmos in einer Blume

Endlich ist die Wärme des Frühlings spürbar. Man kann es schon wagen, entspannt auf einer Liege die Sonne zu geniessen, ohne zu fürchten, von der Kälte erwischt zu werden. Oder lässt man sich eher zu einer Wanderung verlocken?

 

Da fällt es mir auf: Menschen, die mir entgegenkommen, sind leichter angezogen. Nur ich habe mich noch in Wollmütze, Wollhalstuch und Winterjacke eingepackt. Sicher ist sicher. Wanderer mit Rucksack und leichten Schritten; Velofahrer auf dem Familienausflug; Verliebte Hand in Hand zum Frühlingsempfang ... Die Wärme des Frühlings lockt Menschen, Jung und alt, aus ihren Häuschen. Auch die Tiere wissen genau Bescheid über den Wechsel der Jahreszeit. Speziell die Vögel freuen sich.

 

Irgendwo ganz ungeachtet unter einem Haselstrauch oder auch mitten in einer wilden Wiese strecken sich kleine Blumen aus der Erde empor. Wenn man genau hinhorcht, würde man wohl sogar ein Knistern hören, wo allseits Pflanzen und Insekten erwachen. Das Leben regt sich überall, unter der Erde, auf der Erde, über der Erde. Ein Aufwachen nach dem tiefen Winterschlaf.

 

Eine kleine Gruppe gelber Narzissen steht einsam am Saum des Waldes, wo zwischen den braunen Laubblättern weisse Schneeglöckchen leuchten. Eine Narzisse wurde abgerissen und auf dem Gras zurückgelassen. Ich hebe die abgebrochene Blume auf. Beim Anblick der Narzisse steigt eine Erinnerung in meinen Geist auf.

Zu dieser Jahreszeit gab es in der Gegend um la Chaux-de-Fonds überall wilde Narzissen, ganze Wiesen voll von diesen gelben und weissen Blumen. Wenn das Sonnenlicht auf sie herab fiel, ging ein Meer von Feenlichter auf ... Mir kam es damals märchenhaft vor. Es sah aus, wie wenn eine Schar von Elfen die Wiese mit leuchtenden Lampions ausschmückte.

Die Blume in meiner Hand lasse ich meine Schritte mit meinem Atemrhythmus verschmelzen. Die alte Erinnerung an das Meer von Feenlichtern bringt mir eine kindliche Freude zurück. Das Kind, das noch in mir schlummert, sieht die kosmische Feenwelt in der magischen Kraft der Blume.

 

Die magische Kraft der Narzisse als Achtsamkeitsglocke begleitet mich auf dem Weg nach Hause. Ich fühle sie und spüre, wie die ganze Feenwelt und ihre magische Kraft sich langsam umwandeln, in etwas ganz Konkretes.

 

In der zarten Blume wirkt keine Fee und keine Magie, sondern darin liegt ganz simpel ein winziges Stückchen des Himmels, der Sonne, des Mondes, der Erde, des Windes, des Regens und noch von vielem mehr. All diese Bedingungen haben es ermöglicht, dass die Elfe die Blume zum Leuchten gebracht hat.

 

anitya

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Kommentare: 2
  • #1

    Manu (Mittwoch, 04 April 2018 18:05)

    Ein Feenbild hast du erweckt, es hat mich berührt. Es verleitet mich zu einer Gehmeditation an der Reuss, was werde ich antreffen? Alles Gute und mit einem Lächeln

  • #2

    Nelly (Donnerstag, 12 April 2018 09:38)

    Erstmals bin ich auf deiner wunderbaren Seite gelandet. Danke dafür und dass es keine Zufälle gibt. Der Kreis schliesst sich, immer wieder.